Das Leben von Chögyam Trungpa Rinpoche




Der Vidyadhara Chögyam Trungpa Rinpoche (1939-1987) war die elfte Inkarnation der Trungpa Tulkus, einer Linie von bedeutenden Lehrern der Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus. Die Kagyü-Linie ist eine der vier Hauptschulen des tibetischen Buddhismus und sie ist für ihre besondere Betonung der Meditationspraxis bekannt. Chögyam Trungpa wurde ebenfalls in der Tradition der Nyingma-Linie, der ältesten der vier tibetischen Schulen, erzogen. Zudem war er ein Mitglied der ökumenischen rime Bewegung des tibetischen Buddhismus. Ziel dieser Bewegung war, jenseits von allen sektiererischen Rivalitäten, die wertvollen Belehrungen der einzelnen Schulen zusammen zu bringen und verfügbar zu machen. Während seines gesamten Lebens versuchte Trungpa Rinpoche, die Lehren, die er selbst erhalten hatte, an ein möglichst großes Publikum weiterzugeben.

Er war gerade zwanzig Jahre alt und bereits als Oberhaupt der Surmang-Klöster im östlichen Tibet eingesetzt, als sich Chögyam Trungpa 1959 gezwungen sah, aus Tibet zu fliehen. Ständig von den bedrohlichen chinesischen Eindringlingen verfolgt, trat er zusammen mit einer kleinen Gruppe von Mönchen, die riskante Flucht über den Himalaya an. Teils zu Fuß und teils zu Pferd erreichte die Gruppe schließlich Indien. Von 1959 bis 1963 wurde Chögyam Trungpa vom Dalai Lama als spiritueller Ratgeber in der Young Lamas Home School in Dalhousie in Indien eingesetzt.

Studien in England

1963 trat Chögyam Trungpa Rinpoche an der Oxford Universität in London ein Stipendium in vergleichender Religionswissenschaft, Philosophie und den Schönen Künsten an. Während dieser Zeit studierte er ebenfalls japanische Blumensteckkunst und erhielt hierin den Meistergrad der Sogetsu Schule. 1967 übersiedelte er nach Schottland, wo er Samye Ling, das erste tibetisch-buddhistische Praxiszentrum im Westen, gründete. Nach einer Serie äußerst unterschiedlicher Erfahrungen – zu denen auch ein Autounfall gehörte, von dem eine halbseitig Lähmung zurückblieb - beschloss Chögyam Trungpa kurze Zeit später, seine Mönchsgelübde niederzulegen und als weltlicher Lehrer weiterzuarbeiten. 1969 wurde sein erstes Buch „Aktive Meditation“ veröffentlicht. Diesem Buch folgten weitere 14 Bücher über die spirituellen Lehren. Im darauffolgenden Jahr ereignete sich ein weiterer Wendepunkt in Chögyam Trungpa`s Leben: er heiratete die Engländerin Diane Phybus und siedelte nach Amerika über. In Barnet im Staat Vermont gründete er sein erstes nordamerikanisches Meditationszentrum unter dem Namen `Tail of the Tiger` (heute Karme Chöling).

Ankunft in den USA

Während der Siebziger Jahre bereiste Chögyam Trungpa fast ununterbrochen Nordamerika, wo er drei Landzentren, zahlreiche Stadtzentren und eine kontemplative Universität (Naropa University) gründete. Gleichzeitig erschienen sechs seiner Bücher. Chögyam Trungpa fand in Amerika eine eifrige Zuhörerschaft für die jahrtausendalten, theoretischen und praktischen Belehrungen des tibetischen Buddhismus. Er wurde berühmt durch seine unvergleichliche Art, selbst die höchsten buddhistischen Belehrungen, in einer dem westlichen Schüler zugänglichen Form zu präsentieren.

Während dieser Zeit hielt Chögyam Trungpa dreizehn Vajradhatu-Seminaries ab. In einer von Meditation geprägten Atmosphäre wurden in diesen dreimonatigen Gruppen-Retreats ein großer Teil der traditionellen buddhistischen Lehre vermittelt. Unter anderem wurden seine Schüler während der Seminaries auch soweit geschult, dass sie selbst Lehrerfunktionen übernehmen konnten. Außerdem lud Trungpa Rinpoche andere buddhistische Lehrer in den Westen ein; unter ihnen auch seine Heiligkeit Gyalwang Karmapa, das Oberhaupt der Kagyü Linie.

Die Organisation Vajradhatu

Ebenfalls in den Siebzigern gründete Chögyam Trungpa Vajradhatu, eine Dachorganisation für die unter seiner Anleitung weltweit entstehenden Meditationszentren, mit ihrem Sitz in Bolder, Colorado. 1979 ernannte er den Amerikaner Thomas Rich zu seinem Vajra-Regenten. Durch diesen traditionellen Akt wird einem Schüler die Verantwortung für das spirituelle Erbe eines Lehrers übergeben . Mit dem Vajra-Regenten Ösel Tendzin (Thomas Rich) wurde in der Kagyü-Tradition zum ersten mal ein Westler als Linienhalter anerkannt.

Das Herzstück der von Chögyam Trungpa gegründeten Organisation Vajradhatu waren die Meditationsunterweisungen und die Dharma-Programme, welche weltweit in mehr als hundert Stadtzentren erteilt wurden. Zusätzlich fanden in den zahlreichen Landzentren intensive Meditations- und Studienprogramme statt. In diesem lockeren Verband von unterschiedlichen Zentren, erhielten die Studenten die Inspiration und das Wissen, um Meditationspraxis und Studium mit ihrem Alltag zu verbinden. Je nach Interesse und Neigung beteiligten sie sich an den unterschiedlichen kontemplativen Angebote, die heute unter Obhut der Shambhala-Organisation stehen und von traditioneller Meditationspraxis bis hin zur Blumensteckkunst und zum Tanz reichen.

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